Migrationshintergrund - ein Hinderungsgrund?

Beitrag von Galina Gostrer / Pressereferentin Bayerisches Institut für Migration

Migrationshintergrund ist ein politisch korrektes - ein schrecklich hässliches Wort. Jeder Mensch hat einen Hintergrund und der ist nicht nur auf Migration reduzierbar. Schon gar nicht wenn die Migration die Eltern oder Großeltern betrifft. Der Definition des Statistisches Bundesamtes nach, weisen alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem nach 1949 zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“ einen Migrationshintergrund auf.

Klingt kompliziert? Ist es auch. Die Beschreibungen „In Deutschland geborene Ausländer“ und „in Deutschland als Deutsche geborene“ sind in sich widersprüchlich. Was ist man denn nun Deutscher oder Ausländer? Und ist es überhaupt von Bedeutung? Sollte man nicht selbst entscheiden dürfen, was und wer man ist?

 

Die Bezeichnung Migrationshintergrund klingt jedenfalls wie eine Behinderung. Und da stellt sich die Frage: Ist es denn eine (Be-)Hinderung? Der Begriff ist mit vielen Klischees verbunden: Frauen mit Kopftüchern und ohne jegliche Bildung, schwierige Familienverhältnisse, Jugendliche mit Kriminalitätspotential. Dass es auch ganz anders geht, dass viele Deutsche mit ausländischen Wurzeln mittlerweile hier angekommen sind, fällt nicht weiter auf. Und wenn doch, dann wird es als positive Ausnahme gewertet.

 

Migranten-Kinder starten in den Schulen durch“ hieß die Schlagzeile einer Tageszeitung Ende Juni anlässlich des neunten Integrationsberichts der Bundesregierung: „Bald werden sie so gut sein wie die Kinder deutscher Eltern – oder besser“ - der Untertitel klingt wie eine Drohung. In dem Artikel wird anhand eines Positivbeispiels die gelungene Integration mittels Bildung vorgestellt. „Für die Zukunft Deutschlands ist die erfolgreiche Integration der Zuwanderer von entscheidender Bedeutung. Denn jedes dritte Kind unter fünf Jahren hat einen Migrationshintergrund“ heißt das Fazit. Ein Zugeständnis immerhin, aber ist die Tatsache, dass „jedes dritte Kind unter fünf Jahren“ mindestens ein ausländisches Elternteil hat, nicht das beste Anzeichen für Integration oder gar für Verschmelzung?

 

Bis das in den Köpfen der Menschen ankommt, dauert es aber noch. Und bis dahin wird man als südländisch anmutende Journalistin auf der Meisterfeier des Friseurhandwerks doch eher an den Tisch mit Friseurlehrlingen statt an den rechtmäßigen Pressetisch gesetzt. Nicht aus böser Absicht, sondern, weil man es nicht besser weiß.

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